Sechsundzwanzigtausendfünfhundert ist eine ganz schön große Summe. 26,500$ sind umgerechnet 23.200€. Doch egal, ob in Dollar oder Euro, es ist ein fetter Batzen Geld. Letzteres entspricht einem Monatsgehalt von knapp 2000€. Das ist nicht nur in Deutschland ein großer Betrag und nicht selten ein gutes Monatsgehalt für Einsteiger.

Umso überraschter war ich, als mir gestern mein rumänischer Kollege beim JPF erzählt hat, dass dieser Betrag die jährlichen Schulgebühren einer internationalen Schule in Yangon beziffert.

Diese Schule ist natürlich nicht irgendeine Schule, sondern eine der besten Schulen der Stadt und vermutlich des Landes. Diese Schule ist mir in den letzten sechs Monaten auch derartig oft untergekommen, dass sie wirklich nicht zu übersehen war. Sämtliche Kollegen und höchstwahrscheinlich alle Mitarbeiter der GIZ, der UN, und sämtlicher anderer internationaler Organisationen schicken hier ihre Kinder zur Schule. 

Diese Schulgebühren von 23.200€ jährlich fallen jedoch nicht einmal für die 12. Klasse an, in der der Anspruch und somit auch der Aufwand am höchsten sein sollten. 23.200€ bezahlt man für die 7. Klasse.

Dieser Betrag ist natürlich nur einer von so vielen, die man hier nennen könnte. Man könnte aufführen, dass man im internationalen Restaurant und Laden Sharky‘s 4€ für einen halben Laib Brot bezahlt (zwar groß, aber dennoch), der dann doch nicht satt macht, weil am Vollkornmehl (20% Anteil) gespart wurde. Oder dass man auch für eine kleine Packung Walnüsse aus dem Supermarkt schnell 4€ bezahlt. Gleicher Preis für gute Marmelade. Ein bisschen weniger für ein Kilo Haferflocken. Und die Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Doch die Schulgebühren der 7. Klasse toppen wirklich alles. Sie zeigen ein Ungleichgewicht auf, das sich kaum nachvollziehen lässt.

Im Vergleich dazu wirken die 2€ Mindestlohn pro Tag (!) extrem lächerlich. Auch unsere Monatsmiete für ein Zimmer, die mit 250€ schon unerwartet hoch war, wirkt im Vergleich dazu läppisch. Vielleicht lässt sich so etwas beschreiben, dass mir auch nach sechs Monaten in Myanmar immer wieder auffällt.

Unverständnis

Ich nehme ein starkes Unverständnis zwischen den Myanmaris um uns herum und uns Internationalen war. Es ist verständlich; unsere Lebensumstände sind anders, unsere finanziellen Kapazitäten sind unverhältnismäßig höher, unser Alltag überschneidet sich kaum. Es gibt wenige Überschneidungen, kaum Austausch, wenig Brückenbau. Umso ratloser lässt es mich oft zurück. Ich verstehe, dass mir mit Unverständnis begegnet wird, wenn ich mich über Autos aufrege, die mir zu nahe kommen. Mittlerweile kann ich auch nachvollziehen, dass sie sich wundern, wenn ich absichtlich in die Sonne gehe, ohne mich mit einem Regen-Sonnenschirm zu schützen. Nach all den Internationalen, die ich hier kennen gelernt habe und die sich in extrem abgehobenen Lebenswelten befinden, kann ich mir auch so einige Interaktionen vorstellen, die eine Spaltung zementieren. 

Doch wie könnte man Brücken bauen und gegenseitiges Verständnis fördern? Wo könnten Räume der Zusammenarbeit und der Gemeinsamkeit entstehen? Was könnten Elemente wie Veranstaltungen oder Foren sein, die Einkommen, Lebenswelten und Herkunft hinter sich lassen? Ich bin gespannt, wie sich dieses Spannungsfeld entwickelt.

Ein ähnliches Spannungsfeld wird bald entstehen zwischen den aufstrebenden Myanmaris, die selbst auf die oben genannte Schule gehen können. Ein ähnliches Unverständnis gibt es vielleicht heute schon zwischen den reichen Myanmaris, die von Verbindungen zu Militär und Regierung finanziell extrem profitieren.

Eine Demonstration im Herzen Yangons, die kürzlich stattgefunden hat, bezeichnete sich als „Gegen Organisationen aus anderen Ländern“. Dies lässt nicht auf Besserung hoffen, sondern zementiert viel eher das Unverständnis. So hetzen ultra-nationalistische Mönche gegen Nicht-Buddhisten (Beispiel: Muslime), so demonstrieren einige Tausend Menschen in Yangon gegen das Engagement internationaler Organisationen.

Und ebenso sagt die Staatschefin „Preise kommen und Preise gehen. Was eigentlich zählt, ist Freundschaft und Verständnis.“ Was meint Aung San Suu Kyi damit? Ihren Friedensnobelpreis, dessen Aberkennung ihr anscheinend wirklich nichts ausmachen würde. 

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