Fortbewegung auf zwei Rädern in Myanmar

Am Anfang, als wir in Yangon angekommen waren, dachte ich mir: Wie soll man in dieser Stadt Fahrrad fahren können? Bei dem Verkehr, der Masse an Autos und dem Chaos auf den Straßen? Aber wenn man ein paar Regeln befolgt, geht es eigentlich ganz einfach.

1) Lieber drei Kilometer länger durch Seitenstraßen fahren als auch nur einmal über die Hauptstraßen.
2) Ausnahme: Wenn auf der Hauptstraße Stau ist, kann man auch hier fahren. Je stiller die Autos stehen, umso besser. Dabei empfiehlt es sich, an der Spurgrenze zwischen den beiden Richtungen zu fahren, da hier normalerweise am meisten Platz ist. Bloß nicht rechts fahren, da ist nie Platz.
3) Wenn man nicht durchgeschwitzt ankommen will, ist die Höchstgeschwindigkeit 15km/h.
4) An manchen Ampeln hat man genug Zeit, einen Zeitungsartikel auf dem Handy zu lesen.
5) Dreistigkeit muss sein. Platz wird nicht geschenkt. Je langsamer der Verkehr läuft, desto dreister kann man sein.

Bei so einem Fahrrad kann man einfach nicht widerstehen.
Bei so einem Fahrrad kann man einfach nicht widerstehen.

Eine besondere Rolle im Fahrradfahr-Verkehr nehmen die Trishaws ein. Fahrrad-Rikschas, die Yangon seinen ganz eigenen Charme geben. Die Fahrer sehen manchmal etwas gequält aus, aber diese Tradition hält sich seit mindestens den 1930er Jahren. Dabei nutzen vor allem Einheimische diesen Service. Für 1000-1500 Kyat (60-90 Cent) kann man sich dabei für kleine Strecken fahren lassen. Außerdem transportieren die Fahrer oft Sand, Zement und andere Güter von A nach B. Wir fühlen uns dabei ehrlich gesagt immer ein bisschen schlecht, weil die Fahrer doch immer etwas gequält aussehen, wenn sie sich durch den zähen Verkehr mühen.

In anderen Ländern wie Vietnam oder Thailand haben die motorisierten Tuktuks schon komplett die Trishaws ersetzt. Dass die in Yangon noch nicht Fuß gefasst haben, liegt an zwei einfachen Gründen. Zum einen sind sie viel zu teuer für viele momentane Trishaw-Fahrer. Zum anderen sind Motorräder – und darunter fallen auch Tuktuks – in der Innenstadt von Yangon verboten. Ein Segen für Luft und Ohren, und vielleicht auch ein Stückchen Kulturerhalt.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

PageLines