Wenn einer (k)eine Reise macht…

Lassen Sie mich raten, Sie gehen nach Thailand zum Trampen!

… sagte der deutsche Beamte, der unsere Reisepässe kontrollierte. Offenbar hatten die Hüte den Eindruck erweckt, als wären wir genau nicht zum Arbeiten unterwegs nach Myanmar. Viel eher wirkten wir wie Backpacker, die sich mit zwei großen Rucksäcken, zwei Umhängetaschen und einer Tüte mit Essen auf den Weg ins nächste Abenteuer machen. Doch dies ist keineswegs der Fall, obwohl wir tatsächlich zu einem großen Abenteuer aufbrechen.

Eine Reise ist es nicht wirklich, dieser Aufbruch nach Myanmar. Viel eher ist es eine Art Versuch. Ein Versuch, in einem gänzlich neuen Land Fuß zu fassen, kleine Wurzeln anzusetzen und der Kultur auf den Zahn zu fühlen. So viele Metaphern, eine Idee. Nach Myanmar gehen. Zunächst für drei Monate. Dort leben, reisen und arbeiten. Myanmari lernen und in die Sprache eintauchen soweit dies geht. Und uns ein kleines Fleckchen Zuhause in der Ferne zu bauen.

Auf dem Weg nach Myanmar

Was machen wir in Myanmar? Warum gehen wir in dieses doch relativ unbekannte Land, das den geografischen Beginn von Südostasien markiert? Myanmar war für uns beide, Felix und mich, schon länger ein Sehnsuchtsort. Für ihn durch die Medien und den enormen Transformationsprozess, für mich als Fortsetzung der Erlebnisse in Indien. Und für uns beide ein Land, das einen gewissen Klang hatte und mit Abenteuer lockte. Der Zeitpunkt ist ideal, wenn nicht perfekt. Beide haben wir gerade unser Studium in Politikwissenschaften bzw. International Relations and Management abgeschlossen. Dadurch wussten wir, dass wir beide ab Mai erst einmal von sämtlichen Verpflichtungen befreien könnten, die wir in Deutschland hatten. Uni, Studiengangsnetzwerke, Vereine, Nebenjobs, aber auch alles darüber hinaus konnten wir zu diesem Zeitpunkt erst einmal still legen. Ein ganz neue Freiraum entstand, der durch die Abenteuerlust genährt und durch Vertrauen ermöglicht wurde. Und nun ist es soweit. Der große Weg ist begonnen, die Wohnungen ausgeräumt, die Freunde, Familie und Eltern verabschiedet und die großen Koffer und Rücksäcke im Flugzeug verstaut.

Myanmar

Myanmar ist doppelt so groß wie Deutschland und liegt grob zwischen Indien und Thailand. Gute Verbindungen gehen über Bangkok, das sehr nah an Yangon, der ehemaligen Hauptstadt von Myanmar liegt. 2005 wurde die Hauptstadt in einer „Nacht- und Nebelaktion“ (Martin Schacht, Gebrauchsanweisung für Myanmar) von Yangon im Süden des Landes nach Naypyidaw verlegt. Seitdem hat sich die neue Hauptstadt jedoch nicht groß weiterentwickelt. Zwar schaltet und waltet die Regierung inzwischen aus Naypyidaw, aber das politische und gesellschaftliche Herz Myanmars schlägt noch immer in Yangon. So ist Yangon auch die Stadt, in die wir nun zu Search und Smile gehen. Ab dem 14. Mai wohnen wir dort im Viertel Sanchaung, das für seine vielen Cafés, Restaurants und Bars bekannt ist. Sehr schön soll es da zum Leben sein, zudem liegt unsere Wohnung in einer ruhigen Querstraße weit genug von der lärmenden Hauptstraße entfernt.

Search and Smile

Was machen wir also dort in Myanmar? Was wird unsere Beschäftigung sein? Felix wird zunächst für drei Monate bei Smile sein, Malin bei Search. Search and Smile wäre eigentlich auch ein toller Titel für diesen Blog gewesen. Search für Common Ground ist eine internationale Organisation, die von einem ehemaligen US-Diplomat gegründet wurde. Search hat sich als Ziel gesetzt, die Art zu verändern, wie Menschen Konflikte austragen. Konflikte sind unvermeidlich, doch Gewalt ist es nicht. Smile wiederum ist eine myanmarische Organisation, die in der Friedensbildung aktiv ist. Die Smile Education and Development Foundation ist überzeugt, dass Bildung Frieden schaffen kann und versucht daher, verschiedene Ethnien, Gesellschaftsschichten und Geschlechter zusammenzubringen.

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