Myanmar ruft.

Mit Search for Common Ground nach Myanmar

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Jetzt liege ich gerade in Berlin im Stadtpark und denke über die plötzlich nähergerückte Zukunft nach. Es ist soweit, eine Bewerbung hatte Erfolg und wurde mit einer kurzfristigen Beschäftigungsmöglichkeit bei Search for Common Ground in Myanmar belohnt. Nach so einigen bereits absolvierten Praktika in Deutschland, Marokko, Tunesien und Nepal werde ich nun in Myanmar zunächst ein Praktikum machen. Das war zugegebenermaßen nicht Plan A, aber bekanntlich sind ja auch Pläne B bis Z sehr wertvolle Erfahrungen, die uns im Leben weiterbringen. Zudem ist das Praktikum wirklich sehr spannend und vielversprechend. Und es ist für mich ein Einstieg in einen ganz neuen Bereich, in dem ich auch langfristig tätig werden möchte.

Search for Common Ground – Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten

Dieser Bereich ist die Friedensarbeit und die Organisation heißt Search for Common Ground. Search, wie es abgekürzt wird, hat seinen Hauptsitz in Washington und wurde vom ehemaligen US-Diplomaten John Marks gegründet. Marks wollte die Art verändern, in der wir Konflikte austragen. Er suchte nach Strategien, im Israel-Jordanien-Krieg zu verhandeln. Und er war sich sicher, dass Konflikte unvermeidlich sind, doch dass Gewalt dabei definitiv nicht als Weg gelten darf. Viel eher ist er davon überzeugt, dass Konflikte im Einverständnis aller gelöst werden können und dass Gewalt zu vermeiden ist, wenn die Beteiligten einen Mehrwert im Frieden finden. Gemeinsam mit seiner Frau Susan Collins gründete er 1982 Search for Common Ground und wollte dadurch, wie der Name schon sagt, einen gemeinsamen Nenner für rivalisierende Konfliktparteien finden. Bereits im Israel-Jordanien-Krieg konnte er durch sein diplomatisches Geschick eine friedliche Lösung des verzwickten Konfliktes herbeiführen und verschiedenste Ethnien in einem Friedensprozess zusammenbringen. Seitdem führen die Searcher sein Erbe fort und sind in 36 Ländern auf der Welt aktiv. Dabei setzen sich 700 Searcher aus mehr als 40 Nationen in den jeweiligen Landesbüros für Mediation, Verhandlung und Frieden ein.

Search for Common Ground in Myanmar

In Myanmar ist Search seit 2014 tätig und hat ihr Büro in der ehemaligen Hauptstadt Yangon. Hauptschwerpunkte der Arbeit liegen in der Gemeindearbeit (Community Work), Dialogförderung (Dialogue) und der Weiterbildung der Medien (Media). Community, Dialogue and Media ist das Dreigestirn, auf das Search häufig seine Vorhaben ausrichtet. Dabei setzen sie auf die Bekanntmachung von Friedensfördernden Maßnahmen auf allen gesellschaftlichen Ebenen.

  • Community Work: Lokale Friedenskräfte gehen in die myanmarischen Dörfer und Gemeinden, um sich mit den Bewohnern vor Ort auf die Suche nach Lösungen für Gemeindeprobleme zu machen. Hier können sie durch „creative thinking“ und Gespräche zerrüttete Gemeinschaften wieder zusammenbringen. Konkret geschieht dies beispielsweise in Nepal, wo ehemalige maoistische Kämpfer mit der zivilen Bevölkerung durch Fußballspielen friedlich in Kontakt gebracht werden. Auch hierbei überwinden sie ihr Misstrauen und schaffen eine neue Basis für eine gewaltfreie Zukunft.
  • Dialogue: Um für die friedliche Lösung von Konflikten zu werben hat Search ein großes Netzwerk an Politikern, Abgeordneten und Kandidaten für zukünftige Wahlen. Mit ihnen tritt Search also auf Verwaltungs- und höherer Politikebene in Kontakt und versucht, durch sie gemeinsame Strategien zu entwickeln. Dabei genießt Search den Vorzug, sich fast nur aus myanmarischen Angestellten zusammenzusetzen. Diese sind mit der politischen Lage vor Ort vertraut wie kein Expat, der für einige Jahre nach Myanmar entsandt wurde. Sie sprechen Myanmar, kennen kulturelle Feinheiten und sind bis ins Detail mit der schwierigen myanmarischen Geschichte vertraut. All dies sind für uns, die wir auf Myanmar mit einem ausländischen Blick schauen, Hindernisse, an denen wir zu knabbern haben und nur allzu leicht scheitern können.
  • Media: „Während bei einer Konferenz 100 Teilnehmer anwesend sind, erreichen wir über die Medien 1 Million.“ Diesen Spruch verwendet Search auf ihrer Website, um die enorme Reichweite der Medien zu verdeutlichen. Dabei nutzen sie Medien wie TV oder Radio, um neue Gedanken einfließen zu lassen oder sich in Diskussionen anzustoßen. Besonderes Augenmerk liegt darin – ganz laut dem Grundprinzip von Search – Unterschiede zu überwinden und Konflikte direkt an der Wurzel zu packen.

Ich bin sehr glücklich über die Möglichkeit, diese spannenden Ansätze vor Ort kennen zu lernen. Als Evaluation Intern bin ich mit Design, Monitoring and Evaluation (DM&E for Peace) betraut. Das bedeutet, dass ich am internen Lernprozess von Search in Myanmar arbeiten werde. Wie können Projekte messbar gemacht werden? Wie können wir aus unseren – unweigerlich geschehenden – Fehlern lernen? Und wie kann eine generelle Kultur des Lernens in der Organisation verankert werden? Genau an diesen Fragestellungen werde ich ab dem 14. Mai in Yangon arbeiten und für euch von dort berichten.

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